Einleitung

Bridge ist ein Kartenspiel. Viele Leute haben noch nie davon gehört, bei einigen hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Bridge nur von alten englischen Damen bei Kaffee und Kuchen gespielt wird oder von englischen Offizieren, die sich zur Kolonialzeit in Indien gelangweilt haben.

Das stimmt nicht! Ich gehöre weder zu der einen noch der anderen Gruppe, und doch ist es das faszinierendste Spiel, dass ich jemals kennengelernt habe (und ich kenne viele). Viele andere Spiele sind eine Zeitlang in Mode, man spielt sie nächtelang durch, und irgendwann verstauben sie dann in der Ecke, weil man sie in- und auswendig kennt. Beim Bridge habe ich mich noch nie gelangweilt, und ich spiele es jetzt schon seit mehr als dreißig Jahren.

Diese Seite ist kein Bridgekurs. Ich kann hier nur eine Vorstellung davon vermitteln, wie Bridge geht, und was seine Faszination ausmacht. Wer es lernen möchte, sollte auf "Bridge lernen" in der Steuerleiste links klicken, um mehr über die Möglichkeiten zu erfahren.

 

 

Ziel des Spieles

Bridge wird mit 52 Karten (also einem Rommee-Spiel ohne Joker) gespielt. Es spielen immer 4 Leute, die beiden gegenübersitzenden spielen die ganze Zeit zusammen (auch als Partner bezeichnet). Die Reihenfolge der Karten ist A, K, D, B, 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2. Die vier Farben werden als Pik, Coeur (Herz), Karo und Treff (Kreuz) bezeichnet.

Vor dem eigentlichen Spiel muss in der sogenannten Reizung bestimmt werden, was Trumpf ist. Dafür stehen alle vier Farben zur Auswahl, außerdem noch das sogenannte Sans-Atout-Spiel (aus dem französichen: "ohne Trumpf"), bei dem es keine Trümpfe gibt. Außerdem muss man vorher sagen, wieviele Stiche man machen möchte (zusammen mit dem Partner). Dafür beginnt der Spieler, der die Karten verteilt hat. Wenn er gute Karten hat, nennt er eine Anzahl Stiche (mindestens 7, höchstens 13) und seine bevorzugte Trumpffarbe (also in der Regel die Farbe, in der er die meisten Karten hat). Wenn er schlechte Karten hat, darf (bz. soll) er natürlich auch passen. Anschließend wird reihum im Uhrzeigersinn weitergereizt. Jeder Spieler kann die Ansage des vorherigen überbieten, indem er entweder eine größere Anzahl Stiche ansagt oder diegleiche Anzahl Stiche in einer höheren Farbe (die Reihenfolge ist von unten nach oben Treff, Karo, Coeur, Pik, Sans Atout). Wenn keiner mehr höherreizen möchte, ist die Reizung beendet.

Die Partei, die die letzte Ansage gemacht hat, muss spielen. Derjenige der beiden, der die Trumpffarbe als erster genannt hat, wird zum sogenannten Alleinspieler. Der links von ihm sitzende Spieler spielt eine Karte aus, der Partner des Alleinspielenden legt seine Karten offen auf den Tisch (daher wird er auch Dummy oder Strohmann genannt). Er spielt selber keine Karten, sondern der Alleinspieler bestimmt, welche Karte zum jeweiligen Stich zugegeben wird. Im Uhrzeigersinn gibt jeder eine Karte zu (von der gleichen Farbe, sofern er hat, anderenfalls kann er abwerfen oder stechen ). Wer die höchste Karte der ausgespielten Farbe (oder den höchsten Trumpf) zu einem Stich zugegeben hat, gewinnt den Stich und spielt zum nächsten Stich aus.

Wenn alle 13 Karten gespielt sind, wird abgerechnet. Der Alleinspieler zählt seine Stiche. Wenn er soviele Stiche wie angesagt gemacht hat (oder auch mehr, es kommt nicht darauf an, die Anzahl genau zu treffen) bekommt seine Partei Pluspunkte, wenn er es nicht geschafft hat, bekommt er Minuspunkte (und damit die andere Partei Pluspunkte). Augen in den Stichen sind egal, es zählt nur, ob man einen Stich gemacht hat oder nicht.

Risiko wird belohnt beim Bridge. Je höher man gereizt hat, desto mehr Pluspunkte kann man erhalten (ein Beispiel: wenn man alle 13 Stiche macht mit Pik als Trumpf, erhält man 260 Punkte, wenn man 7 - 9 Stiche angesagt hat, 510 Punkte, wenn man 10 - 11 Stiche angesagt hat, 1010 Punkte bei 12 angesagten Stichen und 1510 Punkte, wenn man den Mut hatte, alle 13 Stiche anzusagen).

Man muss sich also sehr gut mit seinem Partner verstehen, um so hoch wie möglich ausreizen zu können. Daher wird Bridge auch meist mit einem festen Partner gespielt.

Selbstverständlich kann man Bridge mit 4 Leuten zu Hause spielen. Der richtige Reiz entsteht aber erst, wenn man Bridge in einem Club oder auf Turnieren spielt. Denn dann ist Bridge nämlich kein Glücksspiel mehr, sondern ein Spiel für echte Könner. Woran liegt das ? Normalerweise ist es bei jedem Kartenspiel so, dass man entweder gute Karten bekommt, dann gewinnt man (gute Spieler gewinnen mehr, schlechte Spieler etwas weniger). Oder man bekommt schlechte Karten, dann verliert man halt. So ist das auch, wenn 4 Leute zusammen spielen. Jedes Spiel wird neu gemischt, und nur der Zufall entscheidet, was für Karten man bekommt. Im Club- oder Turnierbridge ist das anders. Alle Spieler spielen die gleichen Spiele, haben damit die gleichen guten oder schlechten Karten und hinterher wird verglichen, wer am meisten aus seinen Karten herausgeholt hat.

Wie soll das gehen ? Nehmen wir an, 20 Spieler (=10 Paare) treffen sich, um zusammen zu spielen. Die 20 Spieler nehmen an 5 nummerierten Tischen Platz, die Stühle der einzelnen Tische sind nach den Himmelsrichtungen benannt (also Nord und Süd spielen gegen Ost und West). Das Kartenspiel wird gemischt, ausgeteilt, gereizt und gespielt. Da nur die Stiche zählen, legt jeder Spieler seine zu einem Stich gespielte Karte offen vor sich hin (es wird also nicht in der Mitte zusammengeworfen wie bei Skat oder Doppelkopf). Wenn der Stich komplett ist (also 4 offene Karten auf dem Tisch liegen) dreht jeder Spieler seine Karte um und legt sie verdeckt vor sich. Senkrecht, wenn seine Partei den Stich gewonnen hat, waagrecht, wenn die anderen ihn gewonnen haben (damit man hinterher auch zählen kann, wieviele Stiche welche Partei gewonnen hat). Wenn das Spiel zu Ende ist, hat jeder also noch immer die gleichen 13 Karten vor sich liegen, mit denen er angefangen hat.

Auf dem Tisch liegt eine Plastiktasche mit 5 Fächern. 4 von den Fächern sind mit N, S, O und W beschriftet, in diese steckt jeder Spieler seine Karten hinein (mit den Bildern nach unten natürlich). Das 5. Fach ist für den Zettel vorgesehen, auf dem das Ergebnis notiert wurde. Jetzt gibt man diese Plastiktasche einen Tisch weiter nach oben (also zum Beispiel von Tisch Nr. 3 an Nr. 4), erhält selber ein neues Spiel vom nächsteniedrigeren Tisch (hier also Nr. 2) das Paar auf Ost/West geht ebenfalls an diesen Tisch und das Ost/West-Paar vom höheren Tisch kommt zu Ihnen. Auf diese Weise hat am Ende des Turnieres jeder alle 5 Spiele gespielt (bzw. in der Regel ein Vielfaches davon, da am Anfang mehr als ein Spiel auf jeden Tisch gelegt wird), hat gegen 5 verschiedene Gegner gespielt und jedes Spiel ist 5mal von verschiedenen Paaren gespielt worden.

In Spiel Nr. 5 hatten Sie ganz schlechte Karten. Nehmen wir an, Ihr Gegner hat 980 Pluspunkte gewonnen (sowas wie ein Grand Hand mit Schneider für die Skatspieler). Normalerweise große Katastrophe. Aber an allen anderen Tischen wurden mit den Karten Ihrer Gegner 1010 Pluspunkte erzielt. Auf einmal haben Sie mit Ihren Karten das beste Ergebnis von allen, was für Sie 100 % wert ist (auf dem Zettel stehen 5 Ergebnisse, Sie erhalten immer 2 Punkte für jedes Ergebnis, das schlechter ist als Ihres, 1 Punkt für ein gleiches Ergebnis, 0 Punkte für ein schlechteres. Damit haben Sie von 8 möglichen Punkten 8 erreicht, also 100 %). Für jedes Paar wird die Durchschnitts-Prozentzahl aus allen Spielen ermittelt, und das Paar mit dem höchsten Durchschnitt hat gewonnen (und das, obwohl es vielleicht in jedem Spiel nur Minuspunkte erhalten hat).

 

 

Die Reizung

Haben Sie bis hierher durchgehalten ? Dann will ich noch etwas näher auf den Reiz der Reizung eingehen.

Im letzten Abschnitt habe ich von guten und schlechten Blättern gesprochen. Um dies zu bewerten, gibt es eine kleine Faustregel. Jeder Spieler schaut, wieviel Asse, Könige, Damen und Buben er hat. Da dies die 4 höchsten Karte jeder Farbe sind, ist die Chance groß, mit diesen auch Stiche machen zu können. Für ein As rechnet man sich 4 Punkte, für einen König 3, Dame 2 und Bube 1 Punkt. Die Faustregel besagt jetzt, dass man ab 12 Punkten (also z.B. 3 Asse) etwas reizen darf (falls Sie sich erinnern, das bedeutet mindestens 7 Stiche machen zu wollen). Nun sind diese 3 Asse zwar eigentlich nur 3 Stiche wert, auf der anderen Seite hat man mehr als die statistischen 10 Punkte, die jeder Spieler hat (4 x 4 + 4 x 3 + 4 x 2 + 4 x 1 = 40, davon ein Viertel für jeden). Damit erhöht sich die Chance, dass die eigene Partei auch mehr als die Hälfte der hohen Karten hält und damit auch möglicherweise mehr als die Hälfte aller Stiche machen kann. Etwas Risiko ist natürlich noch dabei, aber das erhöht den Reiz.

Ziel der Reizung ist es jetzt, mit dem Partner so genau wie möglich folgende Informationen auszutauschen:

1) wieviele gute Karten (also Punkte für A, K, D, B) hält man in gemeinsamen Händen?

2) von welcher Farbe hat man zusammen die meisten Karten, da diese sich dann ja als Trumpffarbe anbietet (als Faustregel sollte man mindestens 8 Karten in gemeinsamen Händen haben, je mehr, desto besser natürlich).

Um dieses herauszubekommen, muss man häufig recht lange weiterreizen. Dies erhöht natürlich auch immer das Risiko, zuviel Stiche anzusagen und diese nicht mehr zu schaffen. Es gibt auch Faustregeln, wieviel Punkte man zusammen haben sollte, um eine gewisse Anzahl Stiche zu schaffen. So sollte man für 9 Stiche zusammen z.B. etwa 25 Punkte haben, für 12 Stiche etwa 33.

Vielleicht hörte sich das jetzt doch etwas zu theoretisch an, daher mal ein typisches Beispiel eines Reizdialoges zwischen Nord und Süd (der Einfachheit halber nehmen wir an, dass Ost und West so schlechte Karten haben, dass sie immer nur passen):

Nord Süd
1 Coeur 1 Pik
(ich habe mindestens 12 Punkte und mindestens 4 Coeur, und wenn jetzt alle passen muss ich 7 Stiche mit Coeur als Trumpf machen.) (ich habe mindestens 6 Punkte und mindestens 4 Pik, und du darfst jetzt aber noch nicht passen, weil ich auch noch mehr Punkte haben könnte)
2 Karo 3 Sans Atout
(Pik gefällt mir nicht so gut, aber ich hätte auch noch mindestens 4 Karo. Ausserdem habe ich nicht nur 4, sondern sogar mindestens 5 Coeur. Meine Punktstärke liegt zwischen 12 und 16) (Coeur gefällt mir immer noch nicht, Karo ist auch nix für mich. Da wir uns vermutlich nicht einigen können, versuchen wir es doch einfach mal ohne Trumpf. Ich habe übrigens nicht nur 6 Punkte, sondern ungefähr 13. Da das mit deinen mindestens 12 Punkten zusammen 25 oder mehr ergibt, möchte ich 9 Stiche für die Sonderprämie riskieren)
4 Karo 4 Coeur
(ich weiß nicht, ob Sans Atout das Richtige ist. Ich habe übrigens nicht nur 4 Karo, sondern mindestens 5. Wollen wir nicht doch lieber Karo oder Coeur spielen ?) (na gut, du Quälgeist. Wenn es unbedingt einen von deinen Farben sein muss, dann doch lieber Coeur als Karo, da habe ich nämlich mehr von. Hoffentlich hast du genug davon, damit du dein Spiel auch gewinnst.)

Sah das jetzt etwas kompliziert aus ? Ist auch wirklich nicht ganz einfach. Sie sehen ja an den Erläuterungen in Klammern, wieviele Informationen in so einer einfachen Kombination aus einer Zahl und einer Farbe stecken (die man alle nicht aussprechen darf, das wäre gegen die Regeln). Umso wichtiger ist es, sich gut vorher mit seinem Partner gut abgesprochen zu haben, was alles bedeutet.

Aber bekommen Sie bitte nicht zu große Angst, es gibt sehr gute Methoden, diese Reizung zu lernen, es gibt auch genügend schriftliches Material dazu. Etwas Zeit dafür muss man dann allerdings mitbringen.

Zusatzinformationen für Kartenprofis: Ausser den Stichansagen gibt es auch noch kontra und re. Hat die gleiche Bedeutung wie beim Skat (kontra=du gewinnst dein Spiel nicht, re=und ich gewinne doch), und erhöht natürlich die zu erzielende Punktzahl des Spieles.

Außerdem gibt es noch Situationen, wo das eigene verlorene Spiel (auch mit kontra) weniger Minuspunkte ergibt als das gewonnene Spiel der Gegner, so dass sich Überreizen manchmal durchaus lohnen kann.

 

 

Das Spiel

Keine Sorge, das Spiel ist einfacher als die Reizung. Man kann da zwar auch vieles falsch machen, aber das lernt man mit der Zeit. Und man muss längst nicht soviel auswendig lernen, wie für die Reizung.

Hier zwei Fragen, mit denen Sie Ihr Talent überprüfen können:

1) Sie sind Alleinspieler in einem Sans-Atout-Spiel und haben in Pik AK2 (As und König und die 2). Ihr Partner hat als Dummy D43 hingelegt. Wieviele Stiche machen Sie damit ? (zur Lösung)

2) Sie sind Alleinspieler in einem Sans-Atout-Spiel und haben in Pik 76 (die 7 und die 6). Ihr Partner hat als Dummy AD (As und Dame) hingelegt. Wieviele Stiche machen Sie in dieser Farbe, wie spielen Sie dafür und welche Voraussetzung muss erfüllt sein ? (zur Lösung)

Wenn Sie beide Fragen richtig beantwortet haben, sind Sie ein echtes Talent. Falls nicht, keine Sorge. Wenn Bridge Sie bis hierhin interessiert hat, sind Sie schon fast entschlossen, das Spiel zu lernen. Dann finden Sie aber auch bestimmt einen Kurs mit einem guten Lehrer, der es Ihnen geduldig beibringt.

 

 

Bridge lernen

Es gibt Bridgeclubs in über 250 Städten in Deutschland, viele dieser Clubs geben selber Kurse oder haben Mitglieder, die (gegen Entgeld) Bridgekurse geben.

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Eine andere Möglichkeit könnte noch Ihre örtliche Volkshochschule sein. Rechnen Sie mit 10 Doppelstunden, um die Grundbegriffe der Reizung und des Spiels zu lernen, weiteren 10 Doppelstunden, bis Sie in einem Club mitspielen können.

Und ansonsten ist Bridge ein Spiel, in dem man nie auslernt, das kann ich Ihnen nach 20 Jahren Erfahrung 100prozentig bestätigen.

 

 

Bridge im Club

Es gibt in Deutschland bereits über 450 Bridgeclubs, und laufend kommen neue hinzu.

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Die Mitgliederzahlen dieser Clubs liegen so etwa zwischen 20 und 200. Teilweise wird in öffentlichen Räumen gespielt (Hotels, Restaurants, Cafes, Gemeindezentren, usw.), manche Clubs haben auch eigene Räume angemietet, die dann ausschließlich zum Zwecke des Bridgespiels eingerichtet sind.

Gespielt wird an mindestens einem Abend in der Woche, die meisten Clubs spielen aber mehrmals in der Woche und bieten sowohl Veranstaltungen am Nachmittag als auch am Abend an.

Mitgliedsgebühren sind in der Regel gering. Derzeit sind 25 Euro pro Jahr an den Verband abzuführen, die Clubs selbst nehmen, je nach Leistungsangebot, einen Jahresbeitrag der in der Regel irgendwo zwischen 20 Euro und 150 Euro liegt. Einige verlangen noch einen Obolus von 2 - 4 Euro je Spielabend/-nachmittag, dies sind in der Regel die Clubs, die die Miete für die eigenen Räume mitfinanzieren müssen.

In der Regel werden Turniere gespielt, diese dauern etwa 4 Stunden. Andere Spielmöglichkeiten am besten bei der in den Listen angegebenen Kontaktperson erfragen. Sie können davon ausgehen, dass Sie immer herzlich willkommen sind, die Clubs freuen sich über Mitgliederzuwachs.

 

 

Bridge-Turniere

In Deutschland finden jedes Wochenende irgendwo ein- oder zweitägige Turniere statt. Teilnahmevoraussetzung ist die Mitgliedschaft in einem der Bridge-Clubs (diese sind dem Deutschen Bridge-Verband DBV angeschlossen, die Möglichkeit zur Direktmitgliedschaft gibt es meines Wissens derzeit nicht).

Bis auf wenige Ausnahmen sind diese Turniere für alle Mitglieder offen. Dies macht natürlich auch einen der besonderen Reize dieses Spieles aus. In welcher anderen Sportart haben Sie sonst schon die Chance, sich auf einem Turnier direkt mit den deutschen Meistern zu messen ? Meist kennen Sie diese nur aus dem Fernsehen oder der Zeitung, im Bridge können Sie direkt gegen diese antreten. Auf lange Sicht werden diese zwar immer besser abschneiden als Sie, aber ab und an kann es Ihnen schon gelingen, einem der Meister ein "Bein zu stellen", die Freude über diesen Erfolg ist dann besonders groß.

Es gibt deutsche Meisterschaften in allen möglichen Kategorien (Einzelspieler, Paare, Mannschaften, Damen, Herren, Mixed, Junioren, Senioren). Einige von diesen erfordern allerdings eine bestimmte nachgewiesene Spielstärke, für die eine offizielle Rangliste existiert.

Außerdem gibt es einen geregelten Ligabetrieb mit 1. und 2. Bundesliga, Bezirksligen und verschiedenen Klassen von Regionalligen und natürlich Auf- und Abstieg zwischen den Ligen.

Da Bridge international ist, gibt es die gleichen Möglichkeiten natürlich auch überall auf der Welt, und jedes Mitglied eines nationalen Verbandes darf auf fast allen internationalen Turnieren ebenfalls mitspielen. Es gibt also sogar die Chance, auf einen amtierenden Weltmeister zu treffen. (Spielen Sie Tennis ? Ich glaube nicht, dass es Ihnen jemals gelänge, Roger Federer zu einem kleinen Match gegen Sie zu bewegen. Beim Bridge ist halt vieles etwas anders. Übrigens, soweit ich weiß, spielt Federer kein Bridge)

Hier Links zu Tunierkalendern:

Offizieller Turnierkalender des Deutschen Bridge-Verbandes

Turnierkalender von Klaus-Peter Wiese (mit allen Informationen zu den gelisteten Turnieren, dort auf den Link "Turnierkalender" klicken)

 

 

Bridge olympisch

Bridge ist in Deutschland leider immer noch nicht als Sport anerkannt. Gut, es ist sicherlich auch nicht so bewegungsintensiv wie die landläufigen Sportarten, aber fällt in die gleiche Kategorie von Geistessportarten wie z.B. Schach bereits seit Jahren.

Diese Tatsache hat natürlich großen Einfluss auf die Darstellung von Bridge in den Medien. Während z.B. in den Niederlanden regelmäßig in Zeitungen und auch Fernsehen von großen Bridgeturnieren berichtet wird, können Sie in Deutschland höchstens mal in der Lokalpresse über das Jubiläumsturnier Ihres örtlichen Bridgeclubs etwas lesen.

Möglicherweise wird dies bald anders !

Bei den olympischen Winterspielen 2002 war Bridge erstmals als Demonstrationswettbewerb dabei (also ein mit Golf, Squash, Rugby, Karate vergleichbarer Status). Nun hat Bridge zwar nichts mit Eis und Schnee zu tun, aber das Programm der Sommerspiele war einfach schon zu vollgepackt, um dort eine Chance zu haben.

Natürlich müssen die Nationalen Olympischen Kommitees dann auch noch zustimmen, aber die ganze Bridgewelt ist sehr zuversichtlich.

Ich werde Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden halten, wenn es neue Entwicklungen gibt.

 

 

Bridge für Alle

Es gibt (fast) keine Altersbeschränkung, um mit dem Bridgespiel zu beginnen.

Schon für die 10-jährigen gibt es heute gute didaktische Methoden, und in einigen europäischen Nachbarländern gibt es Bridge schon als Schulfach oder zumindest als die heute so beliebten AGs (Arbeitsgemeinschaften) oder als Projekte.

Meiner Ansicht nach kann man nicht früh genug anfangen, wenn man richtig erfolgreich werden möchte, aber unbedingte Voraussetzungen dafür sind Talent, der Wille, und viel Lernen.

Ich will dabei aber auch nicht verhehlen, dass es gerade in Deutschland nur eine sehr geringe Anzahl jugendlicher Spieler gibt. In diesem Alter ist man halt gerne unter gleichaltrigen, und viele interessierte und talentierte Anfänger sind daher auch wieder abgesprungen.

Zum Appetitanregen: Jedes Jahr gibt es ein zweiwöchiges Sommercamp für Jugendliche (und Junggebliebene). Das nächste ist vom 22.07.2012 - 04.08.2012 auf Burg Rieneck (zwischen Aschaffenburg und Würzburg). Bilder vom Camp 1999 findet ihr hier . Und hier noch die Homepage vom Kultcamp Rieneck speziell für Junioren.

Sehr viele meiner Bridgefreunde haben wie ich in der Studienzeit mit dem Spiel begonnen. Es tat dem Studium vielleicht nicht immer gut, aber wenigstens hat es den Geist trainiert, und andere Ablenkungsmöglichkeiten sind auch nicht ungefährlicher.

Meine Eltern haben mit 40 begonnen, Bridge zu lernen (also zu der Zeit, wo die Kinder anfangen, das Heim zu verlassen). Sie sind bis heute dabei, und haben sehr viel Freude am Bridge. Außerdem verbringen sie auf diese Weise sehr viel mehr ihrer Freizeit zusammen, als vielleicht viele andere Ehepaare. Ich darf aber auch nicht verschweigen, dass es nicht immer ganz ungefährlich ist, als Ehepaar zusammen zu spielen. Ich musste, als ich noch zu Hause wohnte, manchen Streit der beiden schlichten, wenn sie vom Clubabend nach Hause kamen.

Viele Menschen beginnen auch erst im Rentenalter. Der Beruf fällt weg, und die viele Zeit muss ausgefüllt werden, oder man ist ohne Lebenspartner und muss sein Leben anders gestalten. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es man noch zu Meisterwürden bringt, wenn man so spät anfängt. Aber das Spiel macht trotzdem noch genauso viel Freude, und es hält den Geist jung.

 

 

Begriffe

Trumpf / stechen : Wenn man von einer Farbe keine Karte mehr hat und diese Farbe gespielt wird, kann man eine Karte von der Farbe zugeben, die Trumpf ist (=stechen). Dann erhält man diesen Stich, unabhängig von der Höhe der gespielten Trumpfkarte.

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Abwerfen : Wenn man von einer Farbe keine Karte mehr hat und diese Farbe gespielt wird, kann man eine Karte von einer anderen Farbe zugeben, die nicht Trumpf ist (=abwerfen). Den Stich kann man dadurch allerdings nie gewinnen, egal wie hoch die abgeworfene Karte ist.

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Lösung Aufgabe 1:

Zur Erinnerung: Sie sind Alleinspieler in einem Sans-Atout-Spiel und haben in Pik AK2 (As und König und die 2). Ihr Partner hat als Dummy D43 hingelegt. Wieviele Stiche machen Sie damit ?

Sie können 3 Stiche machen: Sie spielen das As und bedienen vom Dummy die 4 (oder die 3). Dann spielen Sie den König, und bedienen vom Dummy die 3 (bzw. die 4). Zum Schluss spielen Sie die 2 und gewinnen diesen Stich mit der Dame. Da Sie die 3 höchsten Karten in dieser Farbe hatten, konnte der Gegner keinen dieser Stiche mitnehmen, und da es keine Trumpffarbe gab (Sans-Atout-Spiel), konnte er auch keinen Ihrer Stiche stechen. Sie müssen nur aufpassen, dass Sie in jedem Stich immer nur eine Ihrer hohen Karten verwenden. Wenn Sie z.B. auf das As die Dame bedienen würden, hätten Sie im dritten Stich nur noch die 2 und die 4 übrig, und die könnte der Gegner bequem mitnehmen.

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Lösung Aufgabe 2:

Zur Erinnerung: Sie sind Alleinspieler in einem Sans-Atout-Spiel und haben in Pik 76 (die 7 und die 6). Ihr Partner hat als Dummy AD (As und Dame) hingelegt. Wieviele Stiche machen Sie in dieser Farbe, wie spielen Sie dafür und welche Voraussetzung muss erfüllt sein ?

Sie machen 1 oder 2 Stiche. Sie spielen die 7 (oder die 6) und wenn der nächste Spieler nicht den König legt, versuchen Sie die Dame (das As ist Ihnen als Stich später immer noch sicher, da es ja die höchste Karte einer Farbe ist). Wenn der Gegner vor As und Dame den König haben sollte, kann der Gegner dahinter nicht höher als die Dame, damit gehört der Stich Ihnen und Sie machen auch noch das As. Hat der Gegner hinter As und Dame den König, wird er Ihre Dame natürlich mitnehmen, und Sie bekommen nur einen Stich, nämlich später das As. Dann hatten Sie aber auch keine Chance 2 Stiche zu machen (ausser wenn Sie das As nehmen, und der Gegner dahinter zufällig den König als einzige Karte in dieser Farbe gehabt hätte, dann müsste er ihn zugeben und Ihre Dame macht den nächsten Stich. Da die Gegner aber zusammen 9 Karten haben, ist dies mehr als unwahrscheinlich, und man sollte nicht darauf spielen).

Und die Vorausetzung, nach der ich Sie gefragt habe ? Sie müssen die erste Karte von Ihrer Hand ausspielen, um dieses Manöver durchführen zu können. Also müssen Sie in Ihrer Hand irgendwann mal einen Stich gewinnen, da ja immer derjenige ausspielt, der den letzten Stich gewonnen hat.

Dieses Manöver nennt man übrigens "Schnitt" und es ist einer der elementarsten Spielzüge im Bridge. Wenn Ihr erster Bridgelehrer Ihnen diesen in einer der ersten Stunden beibringen möchte, können Sie stolz verkünden, dass Sie ihn schon können.

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